Montag, 7. Mai 2012

Pappardelle mit grünem Spargel und noch grüneren Fave


Bei Täglich Freude am Kochen habe ich heute dieses köstliche Pastagericht entdeckt. Gelesen - gekocht - gegessen - gebloggt - so schnell geht das!

Magdi hat es mit selbstgemachten Pappardelle zubereitet - das ist mir in der Ferienküche zuviel Aufwand, da müssen selbst gekaufte in guter Qualität herhalten. Weißen Spargel hatte ich auch nicht, doch mit dem grünen hat es wunderbar gepasst und außerdem kann ich damit jetzt endlich wieder bei Uwes Event cookbook of colors mitmachen, der diesen Monat die Farbe hellgrün haben möchte.


HighFoodality Blog-Event Cookbook of Colors


Zutaten für 2 Personen:

200 g Pappardelle
500 g Fave (Dicke Bohnen oder Saubohnen)
100 g Ricotta
abgeriebene Schale 1/2 Zitrone
8 Stangen grüner Spargel
1 EL Olivenöl
Salz, Pfeffer
ca. 80 ml Gemüsebrühe
1/2 Tasse frisch geriebener Parmesankäse

Zubereitung:



Die Fave enthülsen (schaut mal, wie kuschelig die in ihrer weichen watteähnlichen Hülle liegen), dann in Salzwasser kurz 2 min. blanchieren und aus der zweiten Haut befreien. Das sieht dann so aus:


Die Enden des grünen Spargels abbrechen (er braucht nicht geschält zu werden, wenn man die richtige Stelle erwischt), in Stücke schneiden und im Olivenöl in einem genügend großen Topf (in dem soll später die Pasta gegart werden - das erspart den zweiten Topf und somit Abwasch) anbraten. Salzen, pfeffern und mit der Gemüsebrühe auffüllen und weich garen. In einen Mixbecher umfüllen und mit dem Zauberstab fein pürieren. In der Zwischenzeit die Pappardelle bissfest garen, abschütten und etwas von dem Kochwasser aufbewahren. Den pürierten Spargel in den Nudelkochtopf geben, Ricotta und Zitronenabrieb darunter rühren, die Fave hinzu, anschließend die Pappardelle, mit Salz und Pfeffer abschmecken. Falls das Ganze zu trocken erscheint, eventuell noch etwas von dem zurückbehaltenen Nudelkochwasser dazu, mit frisch geriebenem Parmesan oder Parmesanspänen servieren.







Sonntag, 6. Mai 2012

Einfach das Beste: Pollo Arrosto con 2 Limoni - Brathuhn mit 2 Limonen

Auf besonderen Wunsch von Silvia: Pollo Arrosto con 2 Limoni, Brathuhn mit 2 Zitronen



Es gibt Dinge, die soll und darf man nicht verändern. Dazu gehört dieses Brathuhn, das ich schon sehr oft zubereitet habe.Viele unserer Freunde und Bekannte haben es nachgekocht und waren ebenfalls begeistert. Auch in vielen Blogs hat es die Runde gemacht. Arthurs Tochter bereitet es 'hohlraumversiegelt' zu, zorra  brät es mit andalusischen Zitronen vom eigenen Baum. Eigentlich braucht es kein besonderes Rezept - es geht ganz leicht. Manchmal habe ich es verändert. Ich kann es mir sehr gut mit Knoblauch vorstellen: Lasst es bleiben! Vielleicht etwas Rosmarin in die Bauchhöhle: Nein! Eventuell mit etwas Piment d'Espelettes würzen: Nein! Dieses Brathuhn schmeckt sooo gut - genau so wie es ist! Einfach! Schlicht! Köstlich! Der Knaller! Vielleicht etwas grünen Salat dazu, Reis geht auch und Brot. Brot zum Auftunken des köstlichen Zitronen-Suds. Über die Qualität des Huhns müssen wir ja nicht diskutieren, oder? Eines von excellenter Qualität, ein Biohuhn, ein freilaufendes glückliches Huhn muss es sein! Und nochmals: Nichts verändern, gell ;-)

Zutaten für 2 - 3 - 4 hungrige Hühnchen-Esser:

1 Brathuhn (bei mir 1,2 kg)
Salz, Pfeffer
2 kleine! Zitronen
UND DAS WAR'S!



Das Huhn 1 Stunde vor der Zubereitung aus dem Kühlschrank nehmen, gründlich innen und außen waschen und auf einem Stück Küchenrolle mit der Öffnung nach unten abtropfen lassen. Mit Salz und Pfeffer innen und außen einreiben.

Die Zitronen heiß abwaschen, trocknen und so lange auf der Arbeitsplatte hin und her reiben, bis sie sich innen weich anfühlen. Dann mehrmals mit einer Nadel einpieksen (damit sie später genügend Saft abgeben) und in die Bauchhöhle des Huhns geben. Zubinden (siehe Foto) und in einer ofenfesten Form in den auf 180 Grad (Ober-Unterhitze) vorgeheizten Backofen geben. Brust nach unten ca. 30 bis 35 min. braten. Dann wenden und mit der Brust nach oben weitere 30 min. braten. Anschließend die Temperatur auf 200 Grad erhöhen (umdrehen ist nicht nötig) und weitere 20 min braten.



Wenn die Haut unverletzt bleibt, bläht sich das Huhn während des Bratens auf. Mir ist das diesmal nicht gelungen  - was dem Geschmack aber keinen Abbruch tat.

In vier Teile zerlegen und servieren. Eventuelle Reste können mit dem Sud beträufelt am nächsten Tag mit frisch gekochter Pasta (z.B. Spaghettini) erwärmt und serviert werden. Dann doch eventuell noch ein paar frisch gehackte Kräuter zufügen.




Samstag, 5. Mai 2012

Rettet die Seezungen aus dem Lago - Ristorante Posta, Carona

Ristorante Posta, Carona, Tel. 091 649 72 66
Montag und Dienstag mittags geschlossen, ansonsten Mitte Januar bis Mitte Februar

Es gießt in Strömen, der geliebte Lago Maggiore hat sich in dichten Wolken versteckt. Uns stört das nicht... wir machen einen kleinen Ausflug ins Luganese und gehen so richtig schön schlemmen. Der Lago di Lugano versteckt sich auch in Wolken. Selbst dann sieht er noch hübsch aus:


Unser Ziel ist heute das Ristorante Posta in Carona.

Im schönen glyzinien-blauen Garten geht nichts - wegen strömenden Regens geschlossen - gerne ein anderes Mal. Doch auch drinnen ist es gemütlich. Ein herzliches Willkommen. Warum an den anderen, nicht besetzten Tischen weiße Stoffservietten eingedeckt sind, bei uns aber gelbe Papierservietten, erschließt sich mir nicht so ganz. Sieht man mir an, dass ich kleckere?

Die handgeschriebene Karte wird an den Tisch gebracht. Oh, ja, bitte von oben links nach unten rechts für mich. Alles, aber auch wirklich alles liest sich köstlich. Salat aus rohen Artischocken und Parmesan, Pappa al Pomodoro, eine dicke Suppe aus Brot und aromatischen Tomaten, Lachs-Tartar, lauwarmer Tintenfischsalat mit Kartoffeln... Ist ja schon gut... ich entscheide mich:


Timballo di Melanzane, gebratene Auberginenscheiben, Pesto, Mozzarella, mit Tomatensauce, köstlich!

Für Gerhard gibt es

Proscuito di Stabio con Burrata, ein schöner Rohschinken aus der Region, mit Burrata und etwas Olivenöl (Ich darf probieren, wie immer meistens), was mir nicht ganz so gut gefallen hat, da das sehr gut und kräftig schmeckende Olivenöl den Geschmack von Burrata und Schinken sehr dominiert hat.

Hier im Ristorante Posta merkt man bis ins Detail, dass eine erstklassige Regionalküche gepflegt wird. Auch ich esse im Tessin bevorzugt die regionalen Spezialitäten. Doch dann lese ich auf der Karte Seezunge. Die Seezunge schwimmt nicht im Lago oder doch? Vielleicht hat sie da ja jemand ausgesetzt? Na egal wie, sie braucht Meerwasser - ich rette sie! Sie dankt es mir mit köstlichem Geschmack.


Auch Gerhard hat kurz überlegt, ob er mich bei der Aktion "Rettet die Seezungen aus dem Lago" unterstützen soll, kann dann allerdings der Fegato di Vitello, Kalbsleber in Würfel mit Zwiebel und frischen Kräutern, nicht widerstehen. Dazu Kartoffelstock und Frühlingsgemüse.



Alle Desserts sind hausgemacht, Pana cotta, Torta di pane, Schokoladentörtchen, Sorbets, Eis... mein Mann findet kein Schokoladeneis, er probiert es mit Vanilleeis.... hätte er mal besser das Törtchen genommen, aber ich mische mich da besser nicht ein und bestelle meinen Espresso coretto.

Die Weinkarte ist schön zusammengestellt - viele  Tessiner Weine - viele Italienische Weine - und viele Rote. Doch ein paar schöne Tessiner Weißweine gibt es auch. Unsere (meine) Wahl fällt auf den Bianco di Cademario 2010, der Cantina Monti in Cademario, Müller-Thurgau, Chardonnay, Pinot Gris. Keine große Begeisterung bei Gerhard, er probiert dann noch den offenen Rosato von Vini Chiodi in Ascona: Große Begeisterung. Na gut, dann darf ich halt den Rest der Flasche ganz alleine leeren. Das war nicht so beabsichtigt - ehrlich!

Fazit: Sowohl Wein- als auch Speisekarte haben mich begeistert und neugierig auf mehr gemacht. Ich muss da wieder hin. Hoffentlich irgendwann bei glyzinienblauem Gartenwetter

Carona ist ein idyllischer Ort ca. 10 Min. von Lugano entfernt (Wir fahren vom Gambarogno aus ca. 45 Min).  Der Weg nach Carona führt unter der Sakristei der Pfarrkirche San Giorgio hindurch und ist vor allem für sehr breite Autos etwas gewöhnungsbedürftig (Beim Rückweg passt man dann schon besser durch - wieso eigentlich? Liegt es am Vino???).

Es gibt einen Wanderweg der sechs Kirchen, alle sehenswert. Eine davon ist die Wallfahrtskirche Madonna d'Ongero, von der schon Hermann Hesse sehr beeindruckt war, nachzulesen hier.

Nachtrag August 2014: Einen sehr lesenswerten Bericht gibt es hier aktuell bei Robert:

http://lamiacucina.wordpress.com/2014/08/10/ch-6914-carona-autopostalische-delikatessen/


Freitag, 4. Mai 2012

Osteria Centrale, Olivone, Valle di Blenio

Osteria Centrale, Olivone, Valle di Blenio, Tel. 091 872 11 07
Ruhetag: Mittwoch und Donnerstag, im Juli und August täglich geöffnet.
Betriebsferien: 30.05. bis 29.06.2012 und 21.11. bis 25.12.2012


Die Osteria Centrale in Olivone steht schon lange auf meiner Wunschliste ganz oben. In allen Ausgaben des Slow Food Führers Osteria d'Italia lese ich darüber, in beiden Ausgaben von Urchuchi ist sie ebenfalls aufgeführt. Für die Anreise ist es schon ein kleines Stückchen zu fahren. Die Autobahn bei Biasca verlassen Richtung Lucomagno (Lukmanier-Pass) und dann ca. 20 Min. bis Olivone fahren. Das ganze dann wieder zurück macht für den Anreisetag ein Umweg von rd. 40 Min., der sich jedoch gelohnt hat. Wir mögen gerade die einfache, regionale Küche, die allerdings mit besten Zutaten. Wenn dann noch der Empfang freundlich und herzlich ist, dann fühlen wir uns wohl und nehmen auch mal einen Umweg in Kauf.

Das Fleisch wird von den Bauern aus der Region geliefert und selbst verarbeitet. Dabei wird darauf geachtet, dass möglichst alle Teile verarbeitet werden - auch die Wurst ist hausgemacht und wird in den eigenen Kellern gereift, ebenso wie die diversen köstlichen Sorten Käse. Eier und Geflügel stammen direkt vom Bauernhof von glücklichen Hühnern. Gemüse, Reis, Polenta und Mehl stammen aus biologischem Anbau. Nudeln, Lasagne und Gnochi werden frisch hergestellt. Es gibt drei täglich wechselnde Menus, heute stehen auf der Karte als Vorspeise entweder eine Suppe aus roten Linsen

oder ein gemischter Salat und als Hauptgericht hausgemachte Orrechiette mit Broccoli, Roastbeef (kalt, in dünnen Scheiben aufgeschnitten) mit Bratkartoffeln oder in Salbei gebratenes Forellenfilet mit Safransauce und Reis, dazu gibt es Broccoli mit Pinienkernen.

Gerhard hat das Roastbeef mit den Röstkartoffeln und dazu gibt es als Dessert ein hausgemachtes Parfait mit Grappa und ein paar leicht erwärmten Himbeeren.

Für mich kommt das absolute Highlight zum Abschluß: Es gibt in der Osteria immer einen Wein des Monats, diesen Monat ist es der Cresperino 2010 von der Tenuta Bally & von Teufenstein, ein roter Merlot, der glasweise ausgeschenkt wird. Auf meine Frage nach einem Stückchen Käse werde ich nach dem Jahrgang gefragt und ob Kuhmilch oder Ziege, hmmm, unglaublich... ich lasse den padrone die Auswahl treffen - und das war eine gute Idee. Mir war zuvor nicht bekannt, dass der Käse ausschließlich aus dem Tal stammt und dann im eigenen Keller heranreifen darf und vom padrone selbst gepflegt wird. Einfach nur köstlich:


Fazit: Für unseren nächsten Besuch haben wir uns vorgenommen, vorher anzurufen und nach dem jeweiligen Menu zu fragen - und außerdem wollen wir so rechtzeitig anreisen, dass wir vorher noch einkaufen können bei:

Malvaglia: Macelleria Cavargna, ausgezeichnetes Fleisch und Wurstwaren.
Olivone:  Macelleria Vescovi (unbedingt auch die Vescovi-Mortadella probieren)
In Olivone gibt es außerdem die Paneteria Bini, von der auch das Brot in der Osteria Centrale stammt

Montag, 9. April 2012

Risotto alla Ticinese con funghi porcini

Risotto alla Ticinese con funghi porcini, Risotto Tessiner Art mit Steinpilzen


Risotto ist ein typisches Tessiner Gericht, das man in fast jedem Grotto in unzähligen Varianten findet. Am liebsten wird es jedoch in dieser klassischen Version serviert. Hier bei Ti saluto Ticino wurde auch schon Risotto gekocht. Chef Hansen meint, es sei eigentlich unmöglich ein Risotto zu fotografieren, ohne dass dem Betrachter das Wasser im Munde zusammenläuft - ich habe ihn eines besseren belehrt
klick hier. Ihm fiel dazu nur noch ein "Oh" ein, genau wie Heike, die mit ihrem Blog Event

dazu auffordert, unser scheussliches Essen, unsere miesen Fotos bei ihr einzureichen.

Nun, dieses Risotto ist sicherlich kein "ugly food" - im Gegenteil, es hat super geschmeckt und das Foto ist mir doch auch ganz gut gelungen, oder?



Zutaten:

1 kleine Schalotte
1 EL Butter
300 g Risotto Reis (bei mir Loto-Reis von Terreni alla Maggia)
20 g getrocknete Steinpilze, 20 min in warmem Wasser eingeweicht
400 ml Merlot Bianco (notfalls geht auch anderer Weisswein ;-)
400 ml Hühnerbrühe (bei mir Gemüsebrühe), evtl. auch mehr
Salz, Pfeffer
1 paar Safranfäden ganz und ein kleiner Teelöffel fein zerrieben
50 g geriebener Parmesankäse
1 EL Butter



Zubereitung:

Die Schalotte schälen und fein hacken, in Butter glasig andünsten. Die getrockneten Steinpilze aus dem Wasser nehmen, Achtung, das Einweichwasser aufheben!, fein hacken und mit den Schalotten andünsten.

Reis zugeben, rühren bis die Reiskörner von einem Fettfilm überzogen sind, dann die Safranfäden dazu, mit dem Wein ablöschen und bei mittlerer Hitze Wein einkochen lassen und nach und nach die warme Hühnerbrühe (bei mir Gemüsebrühe) und das Steinpilzwasser zugießen. Immer wieder rühren und Schöpflöffelweise die heiße Brühe angießen.

Nach ca. 15 bis 20 Minuten sollte der Reis die gesamte Flüssigkeit aufgesogen haben und al dente" sein.

Den Käse daruntermischen ebenso wie die Butter, mit Salz und Peffer abschmecken und den Reis noch einige Minuten bei aufgelegtem Deckel stehen lassen. Dann wieder umrühren, dabei sollte der Risotto leichte Fäden ziehen - er darf nicht zu trocken sein.

Dieses Risotto passt auch wunderbar zu Ossobuco, Claus hat gerade ein sehr schönes Rezept vorgestellt, vielleicht hat er noch was übrig ;-)

Colomba Pasquale - die berühmte Tessiner Ostertaube



Es gibt verschiedene Legenden über den Ursprung der Ostertaube. Eine erzählt vom Einfall von König Alboino in Pavia im 6. Jahrhundert. Es war Ostern und als der Langobardenherrscher in die Stadt einritt, stoppte sein Pferd plötzlich - aus der Menschenmenge trat ein Mann, der ein Brot in Form einer Taube mit sich trug und es dem Pferd gab. Dieses verspeiste das Brot und setzte sich dann wieder in Bewegung. Berührt von diesem Geschehnis und als Zeichen des Respekts liess der König die Mädchen, die er als Kriegsbeute gefangengenommen hatte, frei. Laut einer anderen Legende wollte sich Agilulfo, seines Zeichens ebenfalls König der Langobarden, der die südlichen Gefilde erobern wollte, mit dem irischen Mönch Colombano treffen, von dem er hatte reden hören. Der König servierte Tauben am Spiess - da es aber Karfreitag war, an dem man kein Fleisch isst, lehnte der Mönch dankend ab und gab den Tauben das Leben und die Freiheit wieder. Als der König die Vögel zum Himmel aufsteigen sah, bekehrte er sich zum Christentum und bestimmte, dass fortan auf dem Ostertisch nur noch Tauben aus Brotteig kredenzt werden sollten.

Überall im Tessin gibt es in den Bäckereien jetzt die berühmte Colomba Pasquale zu kaufen - die Ostertaube, ein weiches Hefegebäck mit Mandeln, innen mit Orangeat und im Gegensatz zum Panetone, den es zu Weihnachten gibt, ohne Rosinen, dafür aber mit sehr viel mehr Butter. Wer die Colomba selbst backen möchte, findet bei Petra ein ausführliches, und wie ich sie kenne, sicherlich auch gelingsicheres Rezept.

Unsere Colomba ist nicht selbst gebacken, aber selbst gekauft in der Confiseria Al Porto in Locarno, die bekannt ist für ihre ausgezeichnete Qualität.




Und so schaut das Täubchen von Innen aus:

Sonntag, 8. April 2012

Indemini, Ruhe und Romantik in einem Tessiner Bergnest

Ristorante Grotto Indeminese da Fausto e Orietta, Indemini, Tel. 091 795 12 22
täglich geöffnet mittags und abends


Bei Robert von lamiacucina gibt es "immer wieder sonntags" den Sonntagsausflug, der eigentlich nicht sonntags, sondern an irgendeinem anderen Wochentag stattfindet.

Unser Sonntagsausflug fand am Samstag statt und ging von Vira nach Indemini und zurück über Maccagno (Italien) nach Vira. Eine sehr kurvenreiche Strecke, unendlich viele Haarnadelkurven, aber wundervolle Aussicht



 Hier der Blick auf das Maggia-Delta und Ascona

Erst seit Ende des ersten Weltkrieges führt von Schweizer Seite aus eine Straße über die Alpe di Neggia (1395 m) in den Grenzort Indemini, der früher als Schmugglerdorf bekannt war. Die Neggia Passhöhe ist Ausgangspunkt für Wanderungen auf die Gipfel des Monte Tamaro (1961 m) und des Gambarogno auf 1734 m. Beide bieten eine phantastische Aussicht auf den Lago Maggiore. Wobei Hauptattraktion des Monte Tamaro die vom Tessiner Star-Architekten Mario Botta gestaltete Kirche Santa Maria degli Angeli ist (für Nicht-Wanderer führt von Rivera eine Seilbahn dorthin).


Die aus einheimischem grauen Gneis errichteten Häuser mit Steinplattendächern und Holzlauben prägen das Ortsbild von Idemini, das auf 960 m hinter der Bergkette des Gambarogno an der Grenze zum italienischen Valle Veddasca liegt.


Essen kann man hier auch, und zwar im Ristorante Indeminese, entweder auf der Terrasse mit einem grandiosen Blick oder im Inneren - vor dem wärmenden Kamin.

Es gibt einfache Gerichte, abends ist die Auswahl ein wenig größer und wird ergänzt durch Risotto Pasta oder diverse Fleischgerichte, wir waren zufrieden mit Insalata Mista und einer hausgemachten Lasagne.
Ein ganz besonders herzlicher, aufmerksamer Service durch Orietta, die bei gut besuchtem Restaurant das Essen aufträgt, die Getränke vorbereitet und all dies mit Gelassenheit und gleichbleibender Freundlichkeit. Fausto bekamen wir nicht zu Gesicht, der musste sicherlich den Postbus fahren. Dieser Mann hat gleich mehrere Jobs in Indemini: Er ist Gemeindepräsident, Pöstler, Posthalter und Postautochauffeur und nicht zuletzt führt er mit Orietta das Ristorante. Die Post ist zwar täglich nur eine halbe Stunde geöffnet und Briefe gilt es nur an die 50 ständigen Bewohner zu verteilen, doch trotzdem: Er weiss abends, was er gemacht hat. Und wenn nicht, halten ihn seine drei Esel und 20 Schafe bestimmt auf Trab.

Samstag, 7. April 2012

Was verbindet Hermann Hesse mit dem Grotto Morchino in Lugano-Pazzallo und was hat Pierluigi damit zu tun?

Grotto Morchino, Via Carona 1, 6912 Pazzallo
Tel. 091 994 60 44
geschlossen: Samstagmittag und Montag und ab 23. Dezember 2012 abends
Wiedereröffnung: 1. März 2013


"Das Grotto wurde gefunden, im steilen Bergwald auf schmaler Terrasse standen Steinbänke und Tische im Baumdunkel, aus dem Felsenkeller brachte der Wirt den kühlen Wein. .....

...Langsam stiegen aus den irdenen bläulichen Tassen, Sinnbild der Vergänglichkeit, die bunten Zauber, wandelten die Welt, färbten Stern und Licht"

Hermann Hesse 1919
Auszug aus "Klingsors lezter Sommer"

Wenn man sich die obige Aufnahme anschaut, ist es leicht vorstellbar, dass Hesse in seiner Erzählung das Grotto Morchino gemeint haben muss. Für mich ist dieses Grotto auf jeden Fall untrennbar mit Hermann Hesse (und mit Pierluigi - doch darauf komme ich später ;-) ) verbunden. Über unseren berühmten Hesse-Tag habe ich schon klick hier erzählt.


Es ist Capretto (Zicklein) und Spargel-Saison - doch das gab es leider erst am Abend. Hier sehr empfehlenswert ist die Tessiner Platte mit Lardo, Coppa, Schinken, Mortadella und Salami in einer sensationellen Qualität. Lardo wird auch in einer interessanten Variante mit Birne und Honig serviert. Wurst und Fleisch wählt der langjährige Küchenchef Ivan Sperandio direkt bei kleineren Produzenten aus.


Ich entscheide mich für die sehr schmackhafte Minestrone und anschliessend teilt sich Tine mit mir das Risotto Milanese, das ab 2 Personen zubereitet wird.



Die beiden Herren wählen Brasato, für Wolfgang mit Polenta, die hier noch von Hand gerührt wird, wie es sich auch gehört, aber leider nicht mehr überall angeboten wird.


und für Gerhard, der ja bekanntlich keine Polenta mag, gibt es Brasato mit Spaghetti (und grünen Bohnen vom Tagesgericht)


Getrunken haben wir einen einfachen offenen weissen Merlot. Auf das Dessert haben diesmal ALLE am Tisch verzichtet, nichts ging mehr. Nur noch Espresso.

Fazit: Es war ein wunderschöner Mittag in angenehmer Gesellschaft, köstliches Essen und das beste, was wir an einem solchen Regentag machen konnten. Ein kleiner Wermutstropfen war allerdings, dass wir auf den padrone, den charmanten Pierluigi, verzichten mussten. Er wurde zwar würdig durch seine reizende Frau vertreten, doch das erfreute überwiegend die Herren am Tisch. Also, ich muss da unbedingt wieder hin - wenn der padrone wieder da ist.

Grotto Pedemonte, Verscio, Centovalli

Grotto Pedemonte, Verscio, Centovalli, Tel. Nr. 091 796 20 83
geöffnet von März bis Oktober, Ruhetag: Mittwoch
Besitzerwechsel ab 2016: ich werde berichten, sobald wir das Grotto wieder besucht haben

Nachtrag: wir waren dort und sind sehr angetan, hier (klick) geht es zu meinem aktuellen Bericht)



Verscio liegt im unteren Teil des Centovalli, gleich nach Tegna, von Ponte Brolla her kommend. Bekannt geworden ist es durch den international berühmten Clown Dimitri, der hier bereits 1971 das Teatro Dimitri eröffnet hatte, dem mittlerweile auch eine Fachhochschule für Bewegungstheater, von Dimitri selbst liebevoll "Komödiantenschule" genannt, angeschlossen ist.



Ein sehr schönes Grotto mit einem Garten mit alten Steintischen ist das Pedemonte, das seit über 20 Jahren von der Familie Beretta geführt wird. Es gibt mittags ein einfaches, sehr günstiges Tagesmenu, mit dem man immer gut bedient ist. Ansonsten die traditionelle Tessiner Küche mit Affetato Misto, Bruschette, Minstrone, Pasta, Risotto, Brasato, Polenta und diverses gegrilltes Fleisch. Doch hier haben "Nicht-So-Gerne-Fleischesser" auch eine schöne Auswahl, u.a. köstliche Melanzane alla Parmigiana (Auberginen und Tomaten-Auflauf), Piatto misto di verdure gratinata (eine gemischte Gemüseplatte mit Käse überbacken) oder wie für mich: Lasagne vegetariane fatte in casa, hausgemachte Gemüselasagne:


Gerhard wählte von der Spargelkarte das Rindscarpaccio mit Spargelsalat, das ihm ausgezeichnet schmeckte:



Dazu haben wir einen Sauvignon aus dem Mendrisiotto getrunken. Jetzt habe ich doch vergessen, von wem der war, also muss ich da unbedingt wieder hin.

Donnerstag, 5. April 2012

Ristorante Al Portico, Gerra/Gambarogno

Ristorante al Portico, Gerra/Gambarogno, Tel. 091 794 22 12, Küche: abends ab 18:15 Uhr, mittwochs und sonntags auch mittags, Ruhetage: Montag und Dienstag
wieder geöffnet ab: 18. März 2017!

Kennt Ihr dieses Phänomen? Man geht schon seit vielen Jahren in das gleiche Restaurant, es gibt auch eine der Saison angepasste, häufig wechselnde Tageskarte, doch die allseits beliebten Klassiker finden sich glücklicherweise auch noch. Ich studiere die Karte aufmerksam, finde viele Köstlichkeiten, die mich interessieren...  und? ...  ja, und bestelle dann doch das, was ich immer bestelle ;-)

Hier im Ristorante Al Portico bei Iris und Pasquale Progano sind das immer wieder die Cordon Bleu (bei der Bestellung extra dazu sagen, wenn man sie in der Originalversion mit Kalbfleisch möchte).

Zum Aperitivo serviert uns Signor Progano einen kleinen Teller mit frisch gebratener Capretto (Zicklein) - Leber, dazu köstliches knuspriges Brot.

Eine kleine Vorspeise geht, bei uns meistens Insalata mista oder verde, viel mehr darf es nicht sein, da die sehr großen Cordon Bleu ohnehin kaum zu bewältigen sind. Normalerweise steht er nicht auf der Karte, aber heute ist Gründonnerstag - da brauche ich unbedingt Spinat. Signora Progano hatte ein Einsehen und hat für uns heute auf Vorbestellung ausgezeichnet schmeckenden Spinat serviert.





Dazu dann entweder Tagliatelle, Reis oder Pommes Frites.

Getrunken haben wir einen Rosato von Angelo Delea und zum Espresso einen Pfirsich-Grappa vom Gambarogno. War das wirklich die letzte Flasche, Signora Progano? Das wäre jammerschade.

Mittwoch, 4. April 2012

Insalata di Cicoria Verde

Diesen Salat habe ich bisher nur im Tessin entdeckt und greife daher immer zu, wenn ich ihn auf einer Speisekarte im Restaurant entdecke. Noch viel lieber ist es mir allerdings, wenn ich ihn bei meinem Biobauern hier im Tessin kaufen kann. Es gibt Cicoria verde oder rosso. Einen großen geschmacklichen Unterschied kann ich nicht feststellen, er schmeckt dezent bitter, gerade so, wie ich es mag.

Zutaten für zwei Personen:

gut drei Hände voll Cicoria
1 kleine halbe Zwiebel
1 Stück Chilischote
Salz,

für die Vinaigrette:
Salz, Pfeffer, 1 TL Dijon Senf
1 EL milder Weinessig
2 EL sehr gutes Olivenöl

Zubereitung:

Die Cicoria-Röschen erst unter fliessendem Wasser gründlich waschen, dann noch einmal im stehenden Wasser schwenken, so dass auch der letzte Sand aus dem Inneren heraus gespült wird. Dann die Brille aufsetzen und in hauchdünne Streifen schneiden. So dünn wie es nur irgendwie geht, das ist wichtig, nur so schmeckt dieser Salat richtig gut.

Die halbe Zwiebel schälen und ebenfalls in hauch-hauch-dünne Scheiben schneiden und anschliessend mit einer Prise Fleur de Sel  bestreuen, ein paar klitzekleine Chili-Würfel dazu geben und leicht kneten und dann ca. 15 Minuten stehen lassen. So "gart" die Zwiebel und schmeckt dezenter zum Salat.

Aus den angegebenen Zutaten eine leicht cremige Vinaigrette rühren und die Cicoria damit mischen. Auf Tellern anrichten und die Zwiebelscheiben darüber geben

Sonntag, 25. März 2012

Puntarelle mit Rosinen und Pinienkernen nach Meret Bissegger


Meret Bissegger, die bekannte Tessiner Kräuterfrau und Köchin, über die ich schon häufig berichtet habe, u.a. auch über ihr im letzten Jahr erschienenes Kochbuch: "Meine wilde Pflanzenküche" klick hier hat dieses Rezept mit gekochtem Löwenzahn zubereitet. Ich habe eine schöne Puntarelle-Staude entdeckt und es damit in leicht abgewandelter Form zubereitet. Falls Puntarelle nicht zur Verfügung steht, passt es sicherlich auch zu Mangold, Catalogna oder Cima di rapa.



Zutaten für 4 Personen:

ca. 600g Puntarelle, in grobe Stücke bzw. Streifen geschnitten
2 EL Fenchelsamen
2 - 3 Sardellenfilets
100 g Rosinen
100 g Pinienkerne
1 Knoblauchzehe
Pfeffer



Die geputzten Puntarellestücke in kräftigem Salzwasser oder im Dampfgarer ca. 5 Minuten kochen und in einem Sieb gut abtropfen lassen
Wenig Olivenöl in eine Pfanne geben und Fenchelsamen, Sardellenfilets, Rosinen und Pinienkerne darin bei kleiner Hitze vermischen, so dass alles langsam angeröstet wird. Zum Schluss eine geschälte Knoblauchzehe dazu pressen. (ich habe zusätzlich noch ein paar kleine Chiliwürfel dazu gegeben).
Die gegarten Puntarelle in die Pfanne geben und mit zwei Holzlöffeln gut mit den Gewürzen in der Pfanne vermischen. Mit etwas Olivenöl und viel schwarzem Pfeffer abschmecken und servieren.

Fazit: Das muss ich nochmal machen, absolute Nachkochempfehlung, wenn man leicht bitter mag (ansonsten mit Mangold probieren), dazu das leicht süssliche der Rosinen. Mir hat es allerdings besser geschmeckt, nachdem es noch ca. 10 min. nachgezogen hat.

Grotto Raffael, Losone, gut essen im ehemaligen Steinbruch

Grotto Raffael, Vicolo Canaa 21, Losone, Tel. 091 791 1529, Ruhetag: Montag, doch am besten vorher anrufen, eine Reservierung empfiehlt sich ohnehin


Diese Jahreszeit geniesse ich ganz besonders hier im Tessin, die Natur erwacht mit aller Kraft und plötzlich blüht alles gleichzeitig um die Wette. Verlässt man den Gotthard-Tunnel auf der Alpensüdseite sieht man endlich wieder blühende Forsythien-Hecken an der Autobahn. Die diversen Kamelienarten stehen in unendlich vielen Farben in voller Blüte und nächste Woche findet in Locarno das Kamelienblüten-Fest statt. Die von mir so geliebten Mimosen stehen schon kurz vorm Verblühen und überall sieht man die Magnolien bereits in voller Pracht. Der Frühling lässt sich nicht mehr aufhalten und ich kann mich nicht satt sehen.

Auch die meisten Grotti beenden ihre Winterpause. Die Nicht-Tessin-Reisenden fragen sich sicherlich, was "Grotti" sind. Wolfram Siebeck beschreibt sie in "DIE ZEIT" so: "Grotto heißen sie im Singular, das bezeichnet einen rustikalen Typ von Kneipe, die von naiven Geistern für den Inbegriff einer wahrhaften und authentischen Gastronomie gehalten wird. Woanders nennt man sie Beiz, Beisl und Bistro". Einen gut gemachten Bericht über Grotti gibt es auch bei Jürgen Weber (klick hier) zu lesen.

Das Grotto Raffael in Losone beim Municipio gelegen hat auch erst seit ein paar Tagen wieder geöffnet. In dem großen Garten wird noch nicht serviert, auch wenn das Wetter schon mitspielt. Wir dürfen wenigstens unseren Aperitivo draußen trinken, dazu serviert die freundliche Signora uns ein paar frisch gebratene, noch lauwarme Polpette, das sind kleine, wunderbar gewürzte Fleischküchlein.

Danach gehts die Treppe hoch in den mit Kamelienblüten dekorierten Speiseraum mit dem schönen großen Kamin. Als Tagesmenu gibt es als Vorspeise Feldsalat mit Ei und danach entweder Polpette mit Gemüse und Rosmarinkartoffeln oder Rindsragout mit Tagliatelle, das Gerhard sehr gut geschmeckt hat:





Eine schöne Sitte ist es, im Grotto Raffael das Essen nicht auf dem Teller zu servieren, sondern in Schüsseln, aus denen man sich nach Belieben bedienen kann.

Dazu getrunken haben wir Terre di Gudo von Tamborini, der uns wesentlich besser geschmeckt hat als der offen ausgeschenkte Merlot bianco.