Dienstag, 21. Oktober 2014

Charbonnade - und es wird weiter gegrillt

Nachdem hier gestern Tintenfisch auf meinem Elektrogrill zubereitet wurde, geht es jetzt weiter mit Grillen auf Holzkohle. Dazu verwenden wir einen Charbonnade-Grill, der bei uns meistens an Silvester zum Einsatz kommt (hier (klick) und nochmal hier (klick) zu sehen), weil man damit auch in geschlossenen Räumen (mit ausreichender zeitweiser Frischluftzufuhr) am Tisch grillen kann. 

Doch offensichtlich regte sich beim Grillmeister der Wunsch, auch mal wieder aktiv am Grillgeschehen beteiligt zu werden und so kam er auf die Idee, unseren kleinen Grill draussen auf den Tisch zu packen. 





Wir haben Rinder- und Kalbsfilet gegrillt, dazu Lammlachs und Saltimbocca.
Als Saucen gab es die "kleinere Version" unserer üblichen Silvester-Auswahl: Knoblauch-, Chili- und Senfsauce (auf Basis von selbstgemachter Mayonnaise mit etwas Joghurt), Salat und Valle Maggia Brot



Wir hatten unser Charbonnade-Gerät vor über 25 Jahren im Wallis gekauft und es bisher nirgendwo mehr entdecken können. Eben beim Schreiben dieses Posts habe ich doch nochmal schnell im Internet gesucht und bin fündig geworden, dies ist genau unser Grill:

http://www.pellet-grill.ch/tischgrill.php

Akela interessiert sich weniger für das Gerät, sondern eher darauf, was auf dem Rost liegt und sie köstlich duftet:




Montag, 20. Oktober 2014

Gegrillte Sepia, Fenchel, Zucchini und Lauchzwiebeln

Das herrlich warme Wetter hier verführt dazu, den Grill wieder auszupacken. 

Während zu Hause Gerhard der Grillmeister ist und wunderbar zwischen Holzkohle und offenem Grill (Schwenker) mit Buchenholz jongliert, haben wir hier im Tessin einen schönen grossen Elektrogrill und da bin ich die Grillmeisterin.

Für den Signore grille ich auch gerne ein Stück Fleisch, mein Lieblingsgrillessen hingegen schaut so aus:



Tintenfisch (Sepia), Lauchzwiebeln (halbiert), Fenchel und Zucchini (in Scheiben), mit Tessiner Kräutern bestreut, mit Olivenöl bepinselt. Dazu zwei Zitronenhälften unbedingt mit auf den Grill geben.



Ich habe hier im Tessin eine wunderbare Einkaufsquelle und kann Sepia, grillfertig vorbereitet, einfach nur so ohne lange Putzarbeiten im Ganzen auf den Grill legen. 



Von jeder Seite 10 Minuten bei starker Hitze grillen (Vorsicht: diese Grillzeiten gelten nur für meinen Grill, auf einem Holzkohlegrill sind sie sicher wesentlich kürzer), gleichzeitig das Gemüse und die Zitronenhälften mit auflegen, immer wieder mit etwas Olivenöl betupfen, leicht salz und pfeffern und fertig ist eines der köstlichsten Grillgerichte.

Dazu passen dann noch schön die letzten aromatischen Tomaten mit etwas Basilikum:



Sonntag, 19. Oktober 2014

Albergo Ristorante Antica Posta, Ascona

Albergo Antica Posta, via Borgo, Contrada Maggiore 4  -  6612 Ascona

Tel. 091 791 04 26, Ruhetag: Mittwoch und Sonntag
geschlossen: Mitte Januar bis Ende Februar 2015
Mein sonst übliches Fazit am Ende eines Berichts muss ich diesmal gleich vorweg nehmen: Ich MUSS da wieder hin.
Ja, ich muss da wieder hin, weil ich zwar das, was ich mir bei unserem ersten Besuch in diesem wunderbaren Ristorante vorgenommen hatte, teilweise diesmal erledigt habe (Güggeli-Essen und mit dem Padrone über dessen Chili-Zucht sprechen), aber noch längst nicht alles aufgearbeitet habe. Doch erstmal von Anfang an:
Unser Besuch war fast wie nach Hause kommen. Dieser freundliche und herzliche Empfang von Signora Bechter und ihrem Mann ist einfach beeindruckend. Wir fühlten uns in dem geschmackvoll eingerichteten Raum mit dem Kamin wie im Wohnzimmer bei Freunden zu Gast.

Quelle: Antica Posta
Aus der herbstlich inspirierten Tageskarte wählt Gerhard Crema ai Funghi Porcini - Steinpilzcremesuppe:


Sie hat sicherlich gut geschmeckt, zumindest wurde sie komplett verzehrt - genaueres kann ich hierzu für diesmal nicht beitragen, denn mir wurde kein Versucherle angeboten.

Für mich gibt es Carpaccio di finocchio con olio al limone e scaglie di parmigiano - Carpaccio vom Fenchel, Zitronen-Olivenöl, Parmesanspäne




Ein sehr schönes, stimmungsvolles Herbstgemälde auf dem Teller, nicht wahr?

Es hat auch sehr gut geschmeckt, vielleicht hätte dem Carpaccio ein klein wenig mehr Zitronen-Olivenöl gut getan.

Der Signore ist für diesmal erstaunlich experimentierfreudig und wählt auch für das Hauptgericht etwas von den Empfehlungen:


Petto di fagiano su salsa al pepe - Fasanenbrust, Pfeffersauce, selbstgemachte Spätzli, Rotkraut, Marroni, Rotweinbirne, Johnnisbeeren

Kööööstlich, die Fasanenbrust perfekt gebraten und dazu ein wunderbares Sösschen mit einer angenehmen Schärfe - ich durfte probieren und war dann auch wieder versöhnt. 


Für mich gab es das, womit ich bei unserem ersten Besuch schon geliebäugelt hatte und ich wurde nicht enttäuscht:


Galletto con verdure - “Mistkratzerli” mit Gemüse und einer ebenfalls köööstlichen Sauce mit Kräutern, die bei Familie Bechter verschwenderisch im Garten wachsen: Rosmarin, Thymian und Salbei


Neben der beachtlichen Auswahl an Tessiner und italienischen Weinen habe ich hier auf der Karte unter den Rosé-Weinen meinen Lieblings-Rosé entdeckt. "2 S" von Château des Marres, den es im Antica Posta sogar offen aus der Magnum Flasche ausgeschenkt gibt. Hach, ein Wein für Rosé-Geniesser (die anderen dürfen den Rosé von der Domaine Ott trinken, den es hier auch auf der Karte gibt).

Die Geschichte, wo und wie ich diesen Wein entdeckt habe, könnt ihr hier (klick) nachlesen.

Samstag, 18. Oktober 2014

Locanda Poncini - Cuore di Maggia, Valle Maggia

Locanda Poncini, Maggia, Valle Maggia, Tel. 091 753 15 41

Bei unserem Ausflug ins Valle Maggia hatten wir auch Brot in der Panetteria Poncini gekauft. Direkt gegenüber liegt an dem kleinen Dorfplatz die Locanda Poncini. Woher diese Namensgleichheit kommt, kann ich nicht sagen und ich vergass zu fragen. Die Lage an dem malerischen kleinen Dorfplatz hat uns gleich gut gefallen und wir beschlossen, da möglichst bald hinzugehen. 




Gerhard und ich haben lange und ausführlich darüber diskutiert, ob ich überhaupt über diesen Besuch berichten soll.  Wir haben beide die Locanda nicht gerade begeistert verlassen, vielleicht haben wir auch einfach nur einen schlechten Tag erwischt und wir sollten ein weiteres Mal vorbeikommen. Vielleicht waren unsere Erwartungen auch nach dem Anschauen der sehr schön gestalteten Homepage zu hoch geschraubt, ich weiss es nicht. Die Innenausstattung überraschte mit kleinen liebevollen Details - hier eine kleine Mauernische:




Die jungen Damen im Service waren alle sehr bemüht und freundlich. Ich erwarte auch keine professionelle Bedienung, allerdings erwarte ich, wenn ich bei der Bestellung angebe, dass ich den Salat ohne Nüsse möchte (weil ich vor allem auf Haselnüsse allergisch reagiere) nicht gerade einen Salat mit Haselnüssen serviert bekomme. Auch dieses "kleine" Missverständnis wurde schnell und freundlich geklärt und ich bekam einen sehr feinen gemischten Salat.




Ein wenig verwundert hat mich, dass auf der Homepage mit einer biologischen Küche geworben wird und dann die zum Anmachen des Salates auf den Tisch gestellen Essig- und Olivenölflaschen konventionellen Ursprungs sind.



Das auf der Karte angebotene Rib Eye vom Fassone Rind wurde mit 300 g angegeben. Wir fragten, ob es auch etwas kleiner ginge. Dies wurde mit der Begründung verneint, dass es schon vorgeschnitten sei. Okay, das kann ich verstehen. Wir haben es dann nur für den Signore bestellt, ich wählte die Spaghetti mit Ragù di Manzo. Zu unserem grossen Erstaunen wurde Gerhard dann ein Teller serviert auf dem zwei Stücke Fleisch lagen... ging ja doch, warum das dann nicht auf zwei Tellern?

Warum die Locanda trotzdem auf diesem Blog Erwähnung findet? Irgendwie hat es mir dennoch dort gut gefallen, viele kleine liebevolle Details liessen einige kleine Nachlässigkeiten vergessen und schliesslich kann sich ja jeder sein eigenes Urteil bilden.





Freitag, 17. Oktober 2014

Klassiker: Spaghetti alla Puttanesca


Diese Pastasauce ist einer der Klassiker aus der italienischen Küche. Es gibt unterschiedliche Erklärungen, wie sie zu ihrem Namen - "alla puttanesca" - "auf Hurenart" kam, Wikipedia hat dazu gleich zwei Varianten:

Der Ursprung des Namens ist ungeklärt. Nach einer unter verschiedenen anekdotischen Erklärungen soll er darauf zurückgehen, dass Prostituierte das Gericht schnell und einfach zwischen Besuchen ihrer Freier zubereiten konnten. Einer anderen nach hängt er damit zusammen, dass italienische Bordelle in den 1950er Jahren case chiuse, geschlossene Häuser, waren und die Prostituierten sie nur einmal wöchentlich zum Einkaufen verlassen durften. Das Gericht sei demnach aus den haltbareren Resten in der Speisekammer entstanden, wenn die Vorräte zur Neige gingen.

Für mich repräsentiert diese Sauce genau das, was ich an der italienischen Küche liebe: aus einfachsten, wenigen, aber besten Zutaten etwas köstlich schmeckendes auf den Teller zu bringen.


Als ich das Gericht bei Julia vom schönen Blog German Abendbrot entdeckt hatte, fehlten mir leider zwei wichtige Zutaten, so konnte ich es nicht sofort zubereiten, sondern es musste erstmal die "Ersatzversion" herhalten. Doch jetzt kommt endlich die Originalversion - köööstlich!

ich nehme (für 2 Port)

ca. 200 g Spaghetti (je nach Hunger)
500 g gehäutete und entkernte Tomaten, in Stücke geschnitten 
1 Knoblauchzehe, geschält, in feine Scheiben gehobelt oder geschnitten
2 - 3 Anchovisfilets
1 Chilischote, entkernt, in feine Streifen geschnitten
Olivenöl
2 EL Kapern (ich nehme Salzkapern, vorher gewässert)
4 - 6 EL schwarze Oliven (entkernt, halbiert, für ich kommen nur Taggiasca in Frage)
Salz, Pfeffer
1 EL glatte Petersilie, fein gehackt

und los gehts:

Knoblauch, Anchovis und Chili in Olivenöl leicht andünsten, Tomaten zugeben, salzen, pfeffern und kurz schmoren lassen.

In der Zwischenzeit die Pasta al dente kochen, abgiessen, ca. 1/2 Tasse vom Kochwasser auffangen. Die Pasta zurück in den Kochtopf geben und mit der Sauce mischen, nach und nach etwas von dem zurückbehaltenen Kochwasser zugeben (Vorsicht, nicht zu viel, die Sauce darf nicht verwässert werden). Mit gehackter Petersilie bestreuen und servieren.

Nachtrag (danke, liebe Micha):

Sehr schön erzählt und wie immer wunderbar fotografiert, gibt es diese Pasta auch hier zu bewundern:
http://www.ziiikocht.at/2012/01/pasta-puttanesca-mit-schoarfen.html








Freitag, 3. Oktober 2014

Ristorante alla Cantina, Tegna oder jeder hat eine zweite Chance verdient

Ristorante Albergo alla Cantina
Piazza G. Zurini, 6652 Tegna, Tel. 091 780 75 57
montags geschlossen und von Mitte Januar bis Mitte Februar 2015

Vor einiger Zeit waren wir zum ersten Mal in diesem schönen Ristorante. Das kann man klick (hier) nachlesen bzw. unbedingt dann auch mal das stimmungsvolle Video von Stefano anschauen, der die Schönheiten der Terre di Pedemonte wunderbar eingefangen hat.

Bei unserem letzten Besuch waren wir zwar vom Ambiente und vor allem vom ausgezeichneten Essen sehr angetan, allerdings wurden wir nicht gerade sehr zuvorkommend behandelt - dies war heute völlig anders: eine sehr freundliche, kompetente Beratung durch den Padrone, genau so soll es sein. Ein Glück für uns (und für ihn ;-) ), dass wir uns letztes Mal nicht abschrecken liessen und wegen der guten Küche wieder hier reserviert haben.

Auch heute wieder wundervolles Wetter, wir konnten draussen im schönen Garten essen:


Als ich hausgemachte Tagliolini mit frischer weisser Trüffel auf der Karte entdeckt habe, war meine Entscheidung schon getroffen, eine kleine Vorspeisenportion musste sein, darüber eine grosszügige Portion köstlich duftender Trüffel gehobelt:


und anschliessend der Fisch des Tages: Ein loup de mer in der Salzkruste



perfekt den Garpunkt getroffen, nur mit Olivenöl und Zitrone beträufelt


Der Signore war höchst zufrieden mit Wildhasen-Rücken, glaciertem Chicorée und Feigen, dazu hat er sich eine kleine Portion Steinpilze gewünscht und Tagliolini anstelle von Polenta.


Und dann kam ein grandioses Eis. Eines der cremigsten, das der Signore je gegessen hat. Schon die Beschreibung "Gelato cremoso alla "Farina Bona" e lamponi freschi". Eis aus Farina Bona, dem berühmten Mehl aus geröstetem Mais aus dem Valle Onsernone, das endlich auch über die Tessiner Grenzen hinaus die gebührende Beachtung gefunden hat. Dabei hat es Signor Roberto bereits vor vielen Jahren entdeckt.


Ob ich wohl beim nächsten Besuch das Rezept für das cremigste, köstlichste Eis aller Zeiten bekomme? 

Donnerstag, 2. Oktober 2014

Osteria Grotto Damiano, Preonzo

Osteria Grotto Damiano, Preonzo, Tel. 079 620 11 35
von Mitte März bis 24. Dezember täglich mittags und abends geöffnet

Das wundervolle sonnige Tessiner Wetter täuscht nicht darüber hinweg, dass der Herbst unaufhaltsam naht. Die Bäume verlieren ihre Blätter, doch mittags kann man immer noch in den Grotti draussen am Steintisch sitzen.


Glücklicherweise ist das auch noch im Grotto Damiano in Preonzo möglich, ansonsten hätten wir dort heute Mittag auch nicht einkehren können, denn leider sind Hunde nur draussen auf der Terrasse erlaubt.


Hier wird vor allem mittags die Tessiner Grotto Küche mit ihren "üblichen Verdächtigen", d.h. affetato misto, formaggio dell alpe, Polenta und Brasato gepflegt. Jetzt ist Wildsaison, da gibt es Reh- oder Hirschpfeffer, Wildragù oder die Tagliata del Grotto mit umfangreichem "Drumherum" serviert.

Das Publikum besteht aus ganz unterschiedlichen Gästen, offensichtlich überwiegend Tessiner, denn wir werden freundlich mit einem "Bon dì" begrüsst. Wenn in einem Grotto viele Arbeiter aus der Umgebung anzutreffen sind, ist das für uns ein gutes Zeichen, d.h. hier wird eine einfache, ehrliche Küche gepflegt.

Das merkt man auch an der Minestrone - sie ist so wie es sich gehört der Jahreszeit angepasst, d.h. diesmal mit Karotten, Zucchini, weisse Bohnen sowieso und dem ersten Wirsing für dieses Jahr


Aus verza hat der padrone dann auch das heutige Tagesgericht gemacht: Involtini di verza ripiena - Kohlrouladen - da freut sich Gerhard


Dafür gibt es übrigens auch ein Rezept hier auf meinem Blog:


Memo für mich: nächstes Mal am besten gleich Merlot Bianco bestellen und auf den Prosecco verzichten


Sonntag, 28. September 2014

Carciofi sott'olio



Meine letzte Artischocken-Ernte für dieses Jahr habe ich euch hier (klick) schon gezeigt. Die eingemachten Köstlichkeiten wurden etikettiert und sind jetzt mit mir ins Tessin gereist.

Artischocken lege ich jedes Jahr mehrmals ein, meistens nach diesem Rezept von Robert (klick). Diesmal habe ich mich überwiegend an Michas Rezept gehalten (klick) und sie wiederum hat auch noch ein paar Ideen von Petra einfliessen lassen (klick).

Die jeweiligen Rezepte könnt ihr ja bei den diversen Blogs nachschauen, indem ihr den Links folgt. Warum ich euch das jetzt trotzdem erzähle? Ja, habt ihr es noch immer nicht bemerkt? Diese wunderschönen Etiketten musste ich euch jetzt unbedingt zeigen, denn diese habe ich selbst gebastelt. Das geht mit dem Jam Labelizer super schnell und einfach. Danke, liebe Juliane, für diese Inspiration!

Sonntag, 21. September 2014

Ristorante Stazione da Agnese e Adriana, Intragna

Ristorante Stazione da Agnese e Adriana, Intragna
Tel. 091 796 12 12
vom 15. März bis 16. November 2014 täglich mittags und abends geöffnet, kein Ruhetag




Direkt am Bahnhof von Intragna findet man dieses Ristorante. Man geht über die Gleise und wird von Agnese Broggini strahlend begrüsst und in den schönen Speiseraum mit dem grandiosen Ausblick geführt.












Seit über 30 Jahren kehren wir immer wieder gerne in dieses Wohlfühl-Ristorante ein. Hier (klick) gibt es einen Bericht von unserem bereits viel zu lange zurückliegenden Besuch zu lesen.

Als ich ihr neu erschienenes Buch "Agnese, Meine Küche.Meine Rezepte.Mein Leben" in einer Auslage entdeckt habe, war klar, dass ich mal wieder nach Intragna musste, denn ich wollte das Buch nicht einfach so kaufen, sondern direkt von ihr ein handsigniertes Exemplar erwerben.


Agnese Broggini ist die Grande Dame der Tessiner Gastronomie. Sie war die erste Frau bei der Gilde etablierter Schweizer Köche und die erste Sommelière im Tessin. Ich kenne und bewundere sie seit vielen Jahren. Doch jetzt, nach dem Einblick, den sie dem Leser ihres Buches in ihr bewegtes Leben gewährt, ist meine Bewunderung für diese Frau noch gestiegen. 72 Jahre, zweiundsiebzig unglaubliche Jahre, das sieht und merkt man dieser Frau nicht an. Sie hat das Ristorante Stazione zu dem gemacht, was es heute ist.

Die Küche hat sie mittlerweile ihrer Schwiegertochter Adriana überlassen, die eine würdige Nachfolgerin - wohlgemerkt in der Küche! - ist. Im Service ist immer noch Agnese (unterstützt von ihrem Sohn) anzutreffen - täglich! mittags und abends! Diese Frau hat eine ungeheuere ansteckende Energie. 

Wir folgen ihren Empfehlungen - heute gibt es frische Tessiner Steinpilze. Die machen sich besonders gut im Kalbsrücken mit hausgemachten Nudeln. Davor drei kleine Süppchen: Tomatenessenz mit Frischkäse-Nocke, Pilzcreme-Süppchen und eine unglaublich aromatische Consomme, dazu ein Grissino mit Schinken umwickelt.




Dann für mich der Kalbsrücken mit frischen sautierten Steinpilzen.


Und anstelle der Nudeln brauche ich mal wieder eine Dosis des legendären Agnese-Risottos, manchmal auch serviert in einem ausgehöhlten Käse, aber diesmal sieht man auf dem Foto die Hand von Patrick, dem Sohn von Agnese, der den Risotto aus der Kupferpfanne direkt auf meinen Teller verteilt.



Ein Klassiker unter den Desserts sind die berühmten Pfeffer-Erdbeeren, eines der Rezepte, die man auch in Agneses Buch nachlesen kann.



Zum Abschluss dann den "Spezial-Kaffee" Espresso, ein kleines Schokotörtchen mit Himbeere und die berühmte Creme aus Farina Bóna


Sonntag, 14. September 2014

Grotto Raffael, Losone

Grotto Raffael, Vicolo Canaa 21, 6616 Losone, Telefon: 091 791 15 29
Ruhetag: Montag
geöffnet von März bis Ende November

Das Grotto Raffael in der Nähe des Municipio in Losone besuchen wir schon seit vielen Jahren. Vor allem Gerhard mag hier die ehrliche, einfache Küche. Berichte über einige unserer Besuche gibt es hier (klick) und nochmals klick hier

Im Sommer sitzt man im schönen Garten unter alten Bäumen teilweise an den urigen Steintischen. Bei kühleren Temperaturen geht es die Treppe hoch ins Innere und man sitzt in dem Gastraum mit dem riesigen begehbaren Kamin.



Im Grotto Raffael ist frischer Wind eingezogen - der junge, sympathische Guiseppe Marforio hat die Geschäftsleitung übernommen. 

Die erste Neuerung bemerke ich auf der Weinkarte: Man hat Weine von der Cantina San Giorgio aus Losone auf die Karte genommen. Die beiden jungen Winzer Mattia Bianda und Enrico Pelloni erzeugen u.a. auch einen reinsortigen Merlot Bianco, der sogar vom Signore, der ansonsten neuen Weinen sehr skeptisch gegenübersteht, mit Wohlwollen aufgenommen wird.




Im Tessin hat bereits die Wildsaison begonnen. Auf der Karte stehen Salmi di Cervo - Hirschpfeffer - und Filetto di Capriolo, wahlweise serviert mit Polenta, Risotto oder Nudeln. Daneben gibt es auch die traditionellen Gerichte aus dem Grotto, nämlich Brasato mit Polenta, Rinds-Entrecôte oder Ossobuco. Berühmt sind hier die Gnocchi, das wählen wir beim nächsten Mal. Für dieses Mal sind wir inspiriert durch die herbstliche Karte und wählen einen Teller mit Hirschsalami, Wildschweinschinken und Trockenfleisch vom Hirsch. Dazu gibt es ein paar Walnüsse, frische, wunderbar aromatische Feigen und ein Knaller - das muss ich mir merken: glacierte Maroni kennt man ja, aber glacierte Maroni leicht erwärmt haben ein unglaubliches Aroma und schmecken nicht mehr so pappsüss. Genial, das muss ich nachmachen.



Ausserhalb der Karte werden auch frische Steinpilze angeboten - da sind sich der Signore und ich heute mal mit unseren Geschmäckern einig und bestellen beide das Gleiche: Eine Portion Steinpilze mit Pasta. Köööstlich - aber die Portionen sind so unglaublich gross, dass wir nach der Hälfte schon passen müssen.



Wir fischen in schöner Einigkeit alle Pilze unter den Spaghetti heraus und mindestens die Hälfte der Pasta bleibt übrig. Schade - es hat sooo gut geschmeckt, aber mehr geht nicht mehr.

Doch! Espresso und Grappa gehen immer ;-)
Memo für mich: Beim nächsten Mal fragen, woher der Grappa kommt


Samstag, 13. September 2014

Bruschetta Ticinese



Es wird Zeit, dass es hier endlich mal wieder etwas zu essen gibt. Meine Kochunlust zog sich schon viel zu lange hin. Nun ja, richtig kochen kann man das zwar noch nicht nennen, aber zumindest ist mal wieder ein Anfang gemacht. Inspiration für diese köstlichen Bruschette war Christian, dessen Fotos bereits meinen Zahn tropfen liessen (klick hier).

Ich habe meine eigene Version Bruschetta Ticinese genannt, weil ich sie mit Tessiner Zutaten hergestellt habe. Büscion bedeutet im Tessiner Dialekt "Zapfen" und kommt von der länglich runden, zapfenartigen Form. Es handelt sich um einen cremigen Frischkäse, entweder aus Ziegen- oder Kuhmilch. Er wird oft in den Grotti hier als Vorspeise oder zum Abschluss eines Essens mit Essig und Öl zum Beträufeln angeboten.




Ich habe Büscion di Mucca - Frischkäse aus Kuhmilch - genommen, ca. 50 g für 4 Bruschette, ihn mit 2 TL Grappa verrührt, 1 TL Valle Maggia Pfeffer dazugegeben, etwas Zitronenabrieb und frischen Thymian. 

Auf frisch geröstete Brotscheiben streichen, darauf jeweils eine Scheibe Nostrano-Schinken (ausserhalb des Tessins kann man auch Parmaschinken oder Bresaola verwenden) geben und schöne reife Feigen-Stücke darauf anrichten.



Das Ganze hat sooo grandios geschmeckt, dass es Bruschetta Ticinese bald wieder geben muss.

Freitag, 12. September 2014

Grotto Scalinata, Tenero, auf der Spur von Waldis Ratti

Grotto Scalinata, Via Contra, 6598 Tenero, Tel. 091 745 2981
Ruhetag: Dienstag



Seit wir ins Tessin reisen, kennen wir auch das Grotto Scalinata, das seit 40 Jahren von den Schwestern Balemi geführt wurde. Hier (klick) kann man über unseren Besuch, der mittlerweile auch schon wieder eine ganze Weile zurückliegt, nachlesen. Als ich in der neuesten Ausgabe von "Tessin geht aus" (klick hier) gelesen habe, dass Waldis Ratti vom Ristorante Rodolfo in Vira mittlerweile im Grotto Scalinata anzutreffen ist, rückte ein Besuch dort ganz weit oben auf unsere Wunschliste, denn Signor Ratti mag ich sehr gerne und hatte ihn bereits hier bei uns am Gambarogno vermisst. Doch nun haben wir ihn ja wieder aufgespürt und wissen, wo wir ihn zukünftig finden.


Heute, bei herrlichstem warmen sonnigem Wetter sassen wir auf der schönen Terrasse und genossen den Ausblick inmitten der Weinberge.  Die Weinlese hatte gerade begonnen und wir konnten zuschauen, wie beinahe neben uns die reifen Trauben in die Körbe wanderten. 


Der eigene Wein, der Nostrano, wird dann hier im Grotto auch offen ausgeschenkt, leicht gekühlt, in diesen speziellen Flaschen und getrunken wird er aus diesen Tassen, offensichtlich ein Zwischending aus Boccalino und Tazzin. Weiss jemand, ob diese Gefässe einen speziellen Namen haben? Ich vergass zu fragen...


Im Grotto Scalinata wird eine einfache, aber sehr wohlschmeckende Grotto-Küche angeboten - überwiegend hausgemacht. Salate, Gemüse und Kräuter kommen teilweise aus dem eigenen Garten. Montags gibt es immer die legendären Polpette (Fleischküchlein), mittwochs eine Cotoletta Milanese (Wiener Schnitzel) und ansonsten neben dem Tagesmenu mittags immer eine schöne Auswahl von kleinen Vorspeisen, danach dann Brasato, Entrecôte, manchmal Kaninchen oder in der Saison und auf Vorbestellung Capretto. Dazu gibt es die legendäre Polenta vom Kamin oder auch auf besonderen Wunsch eines gewissen Signore, der keine Polenta mag, Makkaroni. 

Man kann sich aber auch einfach nur einen Affetato Misto schmecken lassen:



Für Süssschnuten unbedingt empfehlenswert wäre da noch das Gelato Scalinata, das Vanilleeis mit einer grosszügigen Menge an alkoholisierten Früchten. 

Ich bevorzuge stattdessen mal wieder den Alkohol im Espresso - Espresso corretto con Grappa.

Ich hätte heute Mittag hier noch ewig sitzen mögen, sooo schön war es. Doch Akela wartete zu Hause. Er ist kein grosser Katzenfreund und im Grotto Scalinata gibt es ein paar seiner begehrten Jagdobjekte.